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  • Tristan P.

Porsche 924 - Eine gute Entscheidung


Da sitzt man nun. Der Lichtkegel der Schreibtischlampe leuchtet einem auf die Hände. Neben dir steht ein kühles alkoholisches Erfrischungsgetränk. Der Cursor gleitet eifrig über die Webseiten. Artikel werden verschlungen, alte Werbeplakate ausgiebig gemustert. Wer tut das nicht? Am Ende werden die einschlägigen Internet Autohäuser durchforstet und die Träume fangen an sich um den neuen automobilen Wunschkandidaten zu kreisen. Die Reise dahin war aber kein klar definierter Weg. Die Idee einen Klassiker zu fahren hat man nicht über Nacht, sie reift unauffällig heran. Ich hatte mich immer öfter dabei erwischt in der Klassik Abteilung der AutoBild hängezubleiben, als mich über die X-te Auflage des VW Golfs zu freuen. Nach und nach kehrten die Helden meiner Kindheit wieder zurück ins Vorderstübchen. Porsche 911, Opel Manta, VW Scirocco, BMW Z1 oder sogar Pontiac TransAm der damals täglich als Knight Rider über die Flimmerkiste lief... sie alle hatten in mir, als man noch frei von Imagewerten war, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die unangefochtene Nummer eins war natürlich DER Porsche. Wenn man als Knirps von einem Porsche sprach gab es nur den 911. Was sonst? Klick Klick. Scroll Scroll. Unerreichbar. Mein Wunschbudget und Realbudget waren als Berufseinsteiger meilenweit voneinander entfernt und Opel Manta, Ford Capri und Co zerfielen beim ansehen teilweise schon zu Staub oder wurden wie der VW Corrado zu unsäglichen Bastelbuden verschandelt. Ich ließ mich mit einem tiefen Seufzer zurück in den Stuhl fallen. Mission Impossible. Im Kopf ging ich die Kiste mit den Modellautos die irgendwo im Keller vergraben war durch: Mercedes Benz 300 SL, Ferrari GTO 250, Gemballa Porsche 930, Porsche 356, VW Käfer, ...und da war doch noch so ein silberner Porsche. Meine Finger flogen durch die Suchmaschine. Porsche 944. Porsche 924. Transaxle Porsche. Ich hatte den heiligen Gral gefunden. Ungeliebte Porsche. Kantig. Typisch 80er. Schmähwörter wie Hausfrauenporsche waren da zu lesen. Ich konnte es kaum glauben, die Preise waren 2013 für brauchbare Exemplare auf Opel Corsa Niveau. Die Nacht wurde länger und die Erfrischungsgetränke immer mehr. Das rationale Denken rückte immer mehr in weite Ferne.

Der nächste Tag begann mit leichten Kopfschmerzen und die Vernunft holte ihr verloren gegangenes Land wieder zurück. Einen Porsche fahren, egal ob 911 oder nicht, bedeutet auch sich der Sache komplett hinzugeben. Eine fahrende Baustelle würde auf Dauer keine Option darstellen, und an einem Klassiker muss trotz der feuerverzinkten Karosserie bei den 924 und 944 immer was gemacht werden. Die Euphorie wich immer mehr der Stimme im Kopf, die die schmale Brieftasche eines Volontärs mit Porsche fahren in Relation setzte. Thema abgehakt.

Einige Wochen später. Einladung von Felix. Halle auf und da stand er. Ein alpinweißer Porsche 944. Ich konnte es kaum glauben, da hat er doch wirklich durchgezogen was ich nicht gewagt hatte. Als ich den Wagen in Lebensgröße betrachtete war ich mir sicher das es auch für mich ein Transaxle Porsche sein sollte, die Stimme der Vernuft verstummte und rief zusammen mit dem Kind in mir ganz laut: "Ich will das auch!" Nach einiger Recherche entschied ich mich für den oft "unkaputtbar" genannten kleinen Bruder 924 2.0. Mir war klar das ich damit keine Bäume ausreißen werde, aber mehr war zu dieser Zeit einfach nicht drin. Der Plan war Stück für Stück und Jahr für Jahr die Baustellen anzugehen und währenddessen trotzdem noch Spaß mit dem Auto auf der Straße zu haben, ...und zwar so schnell es ging.

Als das Scheuentor sich öffnete war es schon geschehen. Die üblichen Inspektionen der Karosserie, Fahrwerkskomponenten und Innenraum waren nurnoch Formalität. Der sollte es werden. Ein alpinweißer 924 Baujahr 1983 genau wie der 944 von Felix. Großer und kleiner Bruder. Ying und Yang.

Mittlerweile hat sich einiges am kleinen 924 getan. Die groben Problemzonen wurden ausgemerzt und ein bisschen mehr Spaßfaktor hinzugefügt. Die Möglichkeiten in der Auswahl des mobilen Untersatz wären jetzt größer, aber er gehört zu mir. Wenn die ersten Sonnenstrahlen im Frühling den Asphalt erhitzen und ich mich in den Fahrersitz fallen lasse, fühle ich mich wieder zurückversetzt an den Tag unserer ersten Fahrt. Ein kurzes Grinsen huscht durch das Gesicht. Alltag komplett abschalten. Jede Kurve wird zum Genuss und man gibt sich ganz dem Asphaltband hin. Einige sagen er hat es nicht verdient dieses spezielle Wappen auf der Motorhaube zu tragen, aber wie ein berühmter Mann aus der Porsche Familie einmal sagte: "Der 924 ist ein echter Porsche. Wir haben ihm alles mitgegeben, was er auf seiner Fahrt als Porsche braucht." ...und das kann ich nur bestätigen.

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English:

That's you sitting there now. The light cone of the desk lamp shines on your hands. Next to you is a cool alcoholic soft drink. The cursor glides eagerly over the web pages. Articles are devoured, old advertising posters extensively examined. Who doesn't? In the end, the relevant internet car dealerships are searched and the dreams begin to circle around the new automotive dream candidate. But the journey there was not a clearly defined path. You don't have the idea of driving a classic overnight, it grows inconspicuous. I had caught myself getting stuck in the classic department of AutoBild more and more often than I was happy about the X-th generation of the VW Golf. Little by little the heroes of my childhood returned to the front room. Porsche 911, Opel Manta, VW Scirocco, BMW Z1 or even Pontiac TransAm, who at that time ran daily as a Knight Rider over the telly... they all had left a lasting impression in me when one was still free of image values. The undisputed number one was of course THE Porsche. If you spoke of a Porsche as a little boy, there was only the 911. What else? Click Click. Scroll Scroll. Unattainable. My dream budget and real budget were miles apart as career starter and Opel Manta, Ford Capri and Co. crumbled into dust while watching or were transformed like the VW Corrado to unspeakable tuning cars. I let myself fall back into the chair with a deep sigh. Mission Impossible. In my head I went through the box with the model cars somewhere buried in the cellar: Mercedes Benz 300 SL, Ferrari GTO 250, Gemballa Porsche 930, Porsche 356, VW Beetle, ...and there was undefined silver Porsche. My fingers flew through the search engine. Porsche 944. Porsche 924. Transaxle Porsche. I had found the Holy Grail. Unloved Porsche. Edgy. Typically 80s. Baffling words like housewife Porsche were there to read. I could hardly believe it, the prices were 2013 for usable cars on Opel Corsa level. The night became longer and the soft drinks more and more. The rational thinking moved more and more into the far distance.

The next day began with a slight headache and rationality brought back their lost land. Driving a Porsche, no matter if 911 or not, also means to devote yourself completely to the matter. A moving construction site would not be an option in the long run, and in spite of the hot-dip galvanized body of the 924 and 944 always something has to be done on a classic. The euphoria gave way more and more to the voice in the head, which put the narrow wallet of a volunteer with Porsche driving in relation. Topic ticked off.

A few weeks later. Invitation from Felix. Hall up and there he stood. An alpine white Porsche 944. I could hardly believe it, he had the guts to do what I hadn't done. When I looked at the car in life size I was sure that it should also be for me a Transaxle Porsche, the voice of the sanity stopped and shouted together with the child in me quite loudly: "I want that too! After some research I decided for the often called "bulletproof" little brother 924 2.0. It was clear to me that I wouldn't tear out any trees with it, but more was simply not possible at that time. The plan was to to fix the problems step by step and year by year and still have fun with the car on the road ... as fast as possible. When the barn door opened it had already happened. The usual inspections of the body, chassis components and interior were just a formality. That should be it. An alpine white 924 built in 1983 just like the 944 from Felix. Big and little brother. Ying and Yang. Meanwhile a lot has changed on the small 924. The rough problem zones were eliminated and a little more fun factor was added. The possibilities in the selection of a classic Porsche would now be greater, but it belongs to me. When the first rays of sunshine heat up the asphalt in spring and I let myself fall into the driver's seat, I feel like I'm back on the day of our first ride. A short grin flits through my face. To completely switch off everyday life. Every curve becomes a pleasure and you give yourself completely to the asphalt road. Some say he doesn't deserve to have this special badge on the hood, but as a famous man from the Porsche family once said: "The 924 is a real Porsche. We gave it everything it needs on its journey as a Porsche," and I can only confirm that.

#Porsche924

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